Praxisgruppen für politische Bildung und persönliches Reflektieren für Menschen mit selbstidentifizierten Klassenprivilegien und/oder Zugang zu Vermögen

Praxisgruppen für politische Bildung und

persönliches Reflektieren für

Menschen mit Klassenprivilegien

und/oder Zugang zu Vermögen

Was ist eine Praxisgruppe?

In einer Praxisgruppe treffen sich 4-10 Personen, die klassen- oder finanziell privilegiert sind (oder sich selbst so bezeichnen), verbindlich über sechs Monate. Sie folgen dabei einem Leitfaden, um systematisch bestimmte Themen und Fragen zu reflektieren.

Die Treffen beinhalten unter anderem politische Bildung über Klassenprivilegien und den historischen Ursprung von Vermögensungleichheit. So wird zum Beispiel kritisch beleuchtet, wie Kapitalismus, Kolonialismus, Rassismus, Klassismus, das Patriarchat und Ausbeutung von natürlichen Ressourcen dazu beitragen konnten, dass bestimmte Gesellschaftsgruppen sehr vermögend und andere arm sind. Außerdem werden die eigenen Verhaltensmuster reflektiert und konkrete Ziele gesetzt, um Vermögen rückzuverteilen und Klassenprivilegien für soziale Gerechtigkeit zu nutzen.

An wen richtet sich das Angebot der Praxisgruppe?

An alle Menschen, die sich selbst als klassen- oder finanziell privilegiert bezeichnen würden, Zugang zu Vermögen haben oder haben werden und sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen wollen. Mehr Informationen zu der Zielgruppe von rtrb stehen hier.

Warum sollte ich einer Praxisgruppe beitreten?

Eine Praxisgruppe schafft Gemeinschaft und Beziehungen, bietet offene und geschützte Gesprächsräume, um ehrlich über die eigenen Privilegien und damit verbundenen Gefühle zu reden und nachzudenken. Oft gibt es Tabus und eine Schweigekultur, wenn es um Vermögen und Privilegien geht. In einer PG findest du Rückhalt und Unterstützung, um dich kritisch und konstruktiv damit auseinanderzusetzen und dir graduell Ziele zu setzen, um mit deinen Ressourcen und deinen Privilegien für soziale Gerechtigkeit einzustehen. In einer Praxisgruppe findest du:

  • Aufbau von Beziehungen und Vertrauen, mittels regelmäßiger Sitzungen. Wir glauben, dass solche Beziehungen grundlegende Unterstützung bieten, um aktiv zu werden.
  • Die Möglichkeit, schwierige und auch unangenehme Themen und Gefühle zu besprechen, die oft mit Vermögen und Privilegien einhergehen.
  • Mitstreiter*innen, die einen (im Rahmen von Vermögen und Privilegien) im persönlichen Prozess des Lernens, Reflektierens und Handelns unterstützen und herausfordern.
  • Weiterbildung über Vermögensungleichheit, Klassenprivilegien und darüber, wie Rückverteilung funktionieren kann.
  • Durchgehende Unterstützung dabei, die eigenen Ressourcen für das gute Leben für alle zu mobilisieren.

Das passiert nicht:

Wir finden, es ist ein guter Anfang, wenn sich Vermögende in gegenseitigem Austausch und Selbstreflexion mit ihren Privilegien beschäftigen und sich für diese Themen sensibilisieren. Allerdings ist die Praxisgruppe kein Ort zur Vernetzung und Netzwerkbildung von Vermögenden, an dem sich z.B. gegenseitig Jobs zugeschoben werden. Das passiert im Alltag schon häufig genug und reproduziert Ungleichheit.

Woher kommt der Begriff „Praxis“?

„Praxis: reflection and action upon the world in order to transform it.” (Praxis: Reflexion von und Handlung in der Welt, um sie zu verändern.) – aus Paulo Freires Pädagogik der Unterdrückten (1968).

„Praxis“ kann als Tätigkeit an sich oder als Übertragung der Theorie in Handlung definiert werden. Es ist der Akt der Übersetzung von Gedanken, Reflexion und Dialog in tatsächliches Handeln. Das Nachdenken und der Austausch dienen nicht nur dem tieferen Verständnis an sich, sondern stellen einen essentiellen Teil der Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle und dem darauf folgenden Engagement für aktiven sozialen Wandel dar.

Interesse?

Wenn du Interesse an einer Praxisgruppe hast oder noch Fragen offen geblieben sind, dann melde dich gerne bei uns unter: praxis@resourcetransformation.org.